Dipl.-Psych. Dr. Ilona Lubitz

 
 

Promotion

Qualitätssicherung in der universitären Lehrerausbildung: Ein Kurztraining zur sozialen Kompetenz als praxisbezogenes Instrumentarium der Personalentwicklung.

 

Die soziale Kompetenz wird in der Literatur übereinstimmend als wesentliche beruflich relevante Schlüsselqualifikation angesehen. Dies trifft besonders auf zukünftige Pädagogen bzw. Lehrer zu, deren Berufstätigkeit durch ein hohes Maß an sozialen Interaktionen gekennzeichnet ist. Lehrer benötigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die über die Qualifikation im theoretischen, fachlichen und didaktisch-methodischen Bereich hinausgehen, nämlich sozialerzieherische Kompetenz. Wenn die Lehrerausbildung Studierende angemessen auf ihre zukünftigen Anforderungen vorbereiten möchte, gehört demnach die Förderung solch sozial-interaktiver bzw. sozialerzieherischer Fähigkeiten zur Aufgabe des Lehramtsstudiums. Diese an und für sich logische Schlussfolgerung findet sich jedoch nicht unbedingt in der Lehrerausbildung wieder. Vor allem die mangelnde Theorie-Praxis-Verknüpfung kann als Hauptkritikpunkt des derzeitigen Lehrerstudiums ins Felde geführt werden.

Die hohe Abbruchquote von Lehramtsstudierenden sowie der in der zweiten Phase der Lehrerausbildung häufig festzustellende Praxisschock muss wohl zumindest teilweise auf die ungenügende Ausbildung der Lehramtsstudenten für die Praxis zurückgeführt werden. Aber auch bereits im Berufsleben stehende Lehrer fühlen sich den praktischen Anforderungen des Lehrerberufs oft nicht ausreichend gewachsen.

Abgesehen von dem persönlichen Leid, welches durch Studienabbruch oder –wechsel sowie durch Scheitern im Lehrerberuf entstehen kann, sind auch die finanziellen Kosten erheblich. Durch eine Veränderung der Lehrerausbildung, die stärker als bisher zukünftige Anforderungen des Lehrerberufs berücksichtigt und die für die Bewältigung dieser Anforderungen notwendigen Kompetenzen besser als bisher vermittelt, könnte ein erster Ansatzpunkt sein, Verbesserungen zu erzielen: für Studierende, spätere Lehrer, zukünftige Schüler, Kollegen und auch für die öffentlichen Kassen. Aus diesem Grunde beschäftigt sich dieses Forschungsvorhaben, welches der Hochschulunterrichtsforschung zuzuordnen ist, mit möglichen Verbesserungen der universitären Lehrerausbildung.

Es wird dabei davon ausgegangen, dass Trainings stärker als bisher – ergänzend zu herkömmlichen Lehrveranstaltungen – Einzug in die Lehrerausbildung halten müssen, da nur auf diesem Wege praxisbezogene Kompetenzen erlernt werden können. Trainings haben jedoch zwei:

1. Trainingseffekte, die sich auf berufliche Kompetenzen beziehen, können schnell verpuffen, wenn sie nicht in der Praxis geübt und verfestigt werden können. D.h. der Transfer von in Trainings gelernten Inhalten dürfte relativ gering sein, wenn solche Trainings „irgendwo“ im Ausbildungsverlauf platziert werden, ohne Berücksichtigung praktischer Anforderungen, in denen solche beruflichen Kompetenzen erprobt werden können.

2. Trainings sind personal-, zeit- und kostenintensiv, da wenige Teilnehmer einen hohen Betreuungsaufwand erfordern. Demgegenüber stehen die personell und finanziell eher knapp bemessenen Ressourcen der Hochschule. Aufgrund dieses Dilemmas wird dann häufig in der Lehrerausbildung versucht, statt Trainings Seminare mit Praxisbezug zu halten. Dies ist sicherlich ein vielfach guter Kompromiss,  kann das Üben sozialer beruflicher Kompetenzen allerdings nicht leisten. Von daher müssen zunehmend Überlegungen angestellt werden, welche Möglichkeiten denkbar sind, berufliche soziale Kompetenzen ökonomischer zu vermitteln als durch herkömmliche Trainings.

Es stellt sich die Frage, wie man diesen Problemen begegnen kann:

Zu 1)   Um die Distanz zwischen Training und Praxis zu verringern besteht die Möglichkeit, Trainings direkt vor den Schulpraktika durchzuführen; d.h. es findet eine Koppelung zwischen Training und Praktikum statt. Darüber hinaus ist der Zeitpunkt der Intervention auch im Hinblick auf die Nachfrage interessant, da gerade kurz vor praktischen Herausforderungen die Studenten recht empfänglich für Angebote zu sein scheinen, die nicht ausschließlich schein- oder prüfungsrelevant sind.

Zu 2)   Wenn herkömmliche Trainings zu kostenintensiv sind, müsste überprüft werden, ob bereits ein Kurztraining zu einer besseren Vorbereitung auf das ASP beitragen kann, ohne die finanziell knappen Mittel der Universitäten zu stark zu belasten.

Es wird untersucht, ob eine Vorbereitung auf die sozialen Anforderungen des Praktikums durch eine praxisbezogene Kurzvorbereitung auf die Praktika – hier dem Allgemeinen Schulpraktikum (ASP) – hergestellt werden kann: Können dem ASP vorangestellte Kurztrainings die Studierenden befähigen, den Anforderungen des Praktikums besser gerecht zu werden als Studierende, die ohne ein solches Training ihr ASP absolvieren?

Um dieser Frage nachzugehen wird im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Universität Lüneburg zur „Qualitätssicherung in der Lehrerbildung“ auf der Grundlage des Gruppentrainings sozialer Kompetenzen von Hinsch & Pfingsten (1998) eine „Praxisbezogene Kurzvorbereitung auf das Allgemeine Schulpraktikum (ASP)“ entwickelt, durchgeführt und evaluiert. In diesem Kurztrainings geht es um die ökonomische Vermittlung sozialer Fertigkeiten, die während der „Lehrertätigkeit“ im Praktikum hilfreich sein können.

Ziel dieser Untersuchung ist es, erste Erkenntnisse über Effektivität von Kurztrainings als Instrumentarien der Personalentwicklung in der universitären Lehrerausbildung zu gewinnen und erste Ansatzpunkte für die Qualitätssicherung in der Lehrerausbildung zu leisten..

   

© Ilona Lubitz, Braunschweig 2007